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Chivalry 2 im Test

Auf sie mit Gebrüll!

Greift zum Schwert und zieht raus in die Schlacht! Alleine diese Prämisse reicht um „Chivalry 2“ von Torn Banner Studios ausreichend zu beschreiben. Das Mittelalter-Slasher Multiplayer-Spiel erzeugt eine ungekannte Faszination, das jedoch durch seinen schwachen Umfang leider unter die Pferdekutsche kommt. Unser Test zum Multiplattform-Titel.

Gar aus dem Nichts

Es ward im düsteren Dunkelwald in dessen die loyalen Ritter des Agatha-Orden ihren Konvoy bestehend aus unermesslichen Schätzen aus Gold, Silber und fast hilfreichen Medikamenten von langen Streifzügen mit ihrem Leben beschützen sollen, weil rücksichtslose Mason-Ritter ihnen ihre Reichtümer nebst Waffengewalt streitig machen. Auf dass im Zweikampf (oder mehr) sich der Boden rot färbe. Zu allererst eine kleine Beichte: Bis kurz vor der Open Beta hörte ich noch nie von der „Chivalry“-Reihe. Mag vielleicht größtenteils daran liegen, da ich absolut kein Konsolero bin und 2012 noch längst den unbändigen Informationsdurst zu Videospielen besaß wie heutzutage. Sei’s drum. Damals veröffentlichten die kanadischen Entwickler von Torn Banner den gleichnamigen Erstling ihres Hack-and-Slash-Action über Steam, der wiederum aus einer Half-Life-2-Modifikation namens „Age of Chivalry“ herrührte. Es bestach sofort durch den Kniff keine schnöden Gewehre zu schwingen sondern mit Hieb- und Stichwaffen im mittelalterlischen Setting zu kämpfen. Der Erfolg war anfangs groß, konnte jedoch nicht gehalten werden, wodurch 2019 „Mordhau“ das Konzept frech kopierte bzw. um Elemente wie Pferde erweiterte. Sollte dies das Ende des Originals sein?

NEIN. Die Jungs und Mädels aus Toronto werkelten fleißig am zweiten Teil, der auch für aktuelle System erscheint. Und ich bin ehrlich – nach der Open Beta hatte es mich. Warum? Das Konzept ist durch und durch einmalig – kein lahmer Shooter sondern wie in großen Hollywood-Schlachten á la „Game of Thrones“ setzt „Chivalry 2“ auf klingenfeste Nahkämpfe. Squads gibts nicht. Storyline – tja. Beide freierfundenen Ritterorden tragen einen jahrelangen Konflikt aus, was euch gänzlich wurscht sein darf, weil es keinerlei Zwischensequenzen gibt. Auf Texttafeln im Menü finden sich unspannend geschriebene Hintergründe. Hier zählt eine Stärke – der Multiplayer. Eher vier Klassen, die vom Bogenschützen über die aufbrechende Vorhut bis zum edlen Ritter reichen. Bevor es damit los geht ist ein launiges Tutorial, Pflicht. Trotz der farbenfrohen Aufmachung sind Mechaniken wie Angriffe, Parieren oder Abwehren besonders in hektischen Situationen siegentscheidend. Die Entwickler setzen auf blutigen Gore gepaart mit schwarzem Humor von Monty Python. Lässt sich an frei auswählbaren Sprüchen wie „Give it all you’ve got. I’m not gonna lay down and take it – like your mother!“ ganz ersehen.

Chivalry 2 Day One Edition (Playstation 4)
  • Eindrucksvolle visuellen Qualität mit einer Atmosphäre, die Spieler in Momente epischer Mittelalter-Action-Filme aus Hollywood wirft
  • Die Einführung der Cross-Play-Funktion sprengt die Grenzen zwischen Spielern auf Konsolen und PC
  • Epische Mittelalter-Umgebungen: Ausgedehnte Mittelalter-Umgebungen, von Wettkampf-Ringen bis zu Belagerungsplätzen epischen Ausmaßes

„Das ist doch nur eine Fleischwunde!“

Spielerisch bewegen wir uns in Ego-Perspektive durch die acht mal mehr oder weniger offen gestalteten Maps, die sich thematisch an Burg-Vorplätzen, kleineren Dörfern sowie Waldpfaden orientieren. Hierbei zählen die ausgewählten Multiplayer-Modi, leider belaufen sich diese auf nur auf drei Stück. Deathmatch, Belagerungen sowie Free-for-All. Erwartbare 1-zu-1-Duelle sind seitens des Studios geplant aber nicht final angekündigt. Maximal trefft ihr auf bis zu 64 und mindestens 32 Spieler. Durch Bots werden vakante Spieler ersetzt. In Kämpfen ist davon glücklicherweise wenig zu spüren. Alle Partien vermittelten im Test einen atmosphärischen Eindruck, dank schönen Nebeleffekten sowie klarem Sounddesign reißt es den Spieler in die Schlachten. Nur, die leicht tröge Steuerung mit bewusst gesetzter Latenzzeit bei einigen Waffen ist gewöhnungsbedürftig. Obwohl ein schweres Langschwert um einiges kraftvoller angehoben wird als ein kleiner Dolch, der jedoch nicht viel Schaden ausrichtet. Jeder Gegner, inklusive uns, besitzt Ausdauer- sowie Gesundheitsbalken. Ist eine leer, heißt es oftmals flieh oder stirb. Verteidigung fällt ohne Energie schlapp. Die Kämpfe sind nur spaßig inzeniert. Entweder greift man direkt an oder geht in Gruppen vor. Oder wirft sich in wuselige Getümmel, landet keinen Schlag und sackt abgeschlagen zu Boden.

Die große Stärke und zugleich Schwäche von „Chivalry 2“ ist sein simples Konzept. Eigentlich flott zu erlernen, bedient sich das Gameplay bloß auf zwei Grundpfeilern – Kämpfen und Rennen. Nach etwas mehr als 10 Stunden Spielzeit ist der Spaßfaktor hoch, aber man sah bereits alles. Content muss also dringend folgen. Witzig: Nahezu jeder Gegenstand dient als Waffe. Also Hühner, abgeschlagene Köpfe (jep) und auch Wurfmesser. Aber 60 Waffen mit je 20 Schild-Varianten bieten für alle Spieler ausreichend Testmöglichkeiten zum eigenen Spielstil. Nehmt euch Zeit. Versucht mindestens jede Klasse mal ausprobieren. Tut euch den Gefallen, erwartet kein perfekt ausbalanciertes Spiel. Dies gilt sowohl für Schlachten als auch im Menü, in denen nicht alles direkt abgespeichert wird. Oder trotz guter Verbindung brechen Partien urplötzlich ab. Nicht schön, aber im Hinblick auf die Größe des Studios verschmerzbar. Technisch lief „Chivalry 2“ auf unserer PlayStation, neben erwähnten Problemchen, recht ordentlich. Oftmals dauerte das Matchmaking zu lange. Grafisch zaubert die Unreal Engine 4 ganz hübsche Gebiete. Die Texturen sind scharf, laden aber nach. Interessante Randnotiz. Respawns passieren selten alleine sondern mit Gruppen in Intervallen. Dies soll die Gefahr einer Übermacht von Feinden verhindern.

Fazit zu „Chivalry 2“

Bemerkenswert am gesamten Spiel ist seine Quasi-Monopolstellung. Weit und breit gibt es kein anderes Spiel wie „Chivalry“ – „Mordhau“ ausgenommen. Die Nahkämpfe spielen sich brachial wild, sodass unweigerlich das Gefühl einer Schlacht á la Braveheart entsteht. Mal fliegen wir per Steinschleuder von Feldern in Burgvorgräben oder sollen den Herzog am Thron selbst schützen. Viele Modi erzeugen ein Verlangen nach mehr, wobei der Content hier für ein reines MP-Spiel viel zu wenig ist. Hoffentlich lassen die Entwickler nicht nach. Sonst spaßig für alle Action-Liebhaber der ruppigen Sorte.

Entwickler: Torn Banner Studios | Preis: 39,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 18

Chivalry 2 (PlayStation 5)

Spielspaß - 83%
Gameplay - 80%
Grafik - 78%
Technik - 76%

79%

Empfehlung!

Spaßig-ruppige Mittelalter-Action, die trotz momentan wenig Umfang durch sein besonderes Gameplay überzeugt.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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