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Verspielt und ernsthaft: So war das Internationale Trickfilm-Festival (ITFS) 2026

Eine Woche lang war die schwäbische Metropole im Animationsfieber

Mit dem jüngst vollendeten sechsten Festivaltag schloss sich der Vorhang für das Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart 2026 – und hinterlässt eine Stadt, die für eine Woche spürbar im Rhythmus der Animation getaktet war. Zwischen Kino und Schlossplatz, zwischen Work-Shop und Familienprogramm kam das Geschehen zu einem dieser seltenen Festivals, in denen sich Szene und Publikum nicht nur begegnen, sondern tatsächlich miteinander ins Gespräch kamen. Gegen Wochenende spielte dank sonniger Stunden auch das Mai-Wetter mit, was dem Andrang der Tausenden Besucher:innen besonders auf dem traditionell beliebten Open-Air keinen Abbruch tat. Unsere Erlebnisse auf dem ITFS 2026.

Es ist die spezielle Stimmung in der Innenstadt, die das ITFS erzeugt sobald es wieder in eine Festivalwoche geht. Die Schwabenmetropole wirkt deutlich internationaler. Gesprächsfetzen aus unterschiedlichen Sprachen wie Spanisch, Französisch, Englisch oder auch Chinesisch säuseln durch den Wind. Gruppen von Kindern schauen, sitzend auf der Wiese des Schlossplatzes, zur großen leuchtenden LED-Wand vor der Jubiläumssäule. In den Kinosälen wird angeregt zugesehen, geseufzt, gelacht und danach über die Filme gesprochen.

Der Auftakt am 5. Mai im ausverkauften Gloria 1 setzte dabei bereits den Ton. Zwischen politischer Präsenz und Branchenvertretung – darunter Staatssekretär Arne Braun und dem Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper – wurde klar, dass das Festival auch 2026 seine Rolle als kultureller Treffpunkt behauptet. Doch entscheidend bleibt die Möglichkeit, Filme nicht nur zu sehen, sondern sie im direkten Austausch mit den angereisten Filmemacher:innen zu besprechen und gleichzeitig in großer geballter Zahl zu sehen.

Im Zentrum der Preisverleihung am Samstagabend stand ein Film, der sich früh aus dem Wettbewerb herauszuschälen schien – „WITH TAPES AND TOASTS IN THE CAR“ von Kiana Naghshineh. Die deutsch-französische Koproduktion wurde nicht nur mit dem Grand Prix der International Competition ausgezeichnet, sondern erhielt auch zurecht den Publikumspreis. Ein Doppelschlag, der dem Film zugleich die Qualifikation für die kommenden Academy Awards (Oscars) sichert. Es ist einer dieser Fälle, in denen Jury und Publikum erstaunlich deckungsgleich urteilen – nicht selbstverständlich bei einem Festival, dessen Programme oft bewusst Reibung erzeugen. Auftakt wie Preisverleihung wurden verlässlich locker amüsant von der frisch gekürten Preisträgerin des Swiss Comedy Award – Jane Mumford moderiert.

Rund 150 Veranstaltungen verteilten sich sechs Tage lang über die bekannten Locations – die Innenstadtkinos, das Festival Centre im Haus der Katholischen Kirche, die GameZone in der Staatsgalerie. Der Andrang war auch in diesem Jahr gegeben: über 30.000 Besucher:innen in den regulären Programmen, dazu rund 40.000 beim Open-Air auf dem Schlossplatz. Besonders auffällig war dabei die starke Nachfrage nach Kinder- und Familienangeboten. Viele Vorstellungen waren frühzeitig ausgebucht, sodass der tägliche Wettbewerb am Abend oder auch die Preisverleihung am Samstag klare Publikumsmagneten waren. Nahezu tägliche Programmpunkte wie für die Kleinsten geeignete „Tricks for Kids“ waren dank humowvoller wie grandioser Moderation von Franziska Glaser ein wirklich Highlight, abseits der über die Leinwand flimmerenden Werke. Darunter zählt auch die Live Drawing Challenge zum kommenden Kinofilm „Minions and Monsters“, hier konnten 48 Teilnehmende tolle Preise bestehend u.a. LEGO Sets, Kopfhörer oder Gutscheine gewinnen.

Dessen Verdienst und die daraus resultierende Atmosphäre, die sich über das komplette Festival strich, u.a. an den beiden ITFS-Chefinnen lag. Einmal Heike Mozer als kaufmännische Leiterin und Annegret Richter welche dank ihrer Aufgabe als künstlerische Leitung stets ein offenes Ohr besaß und gefühlt bei jedem Programmpunkt des Trickfilm-Festivals zu sehen war. Einige wie das In Persona-Event mit Jurymitglied Hisko Hulsing moderierte sie selbst an, dies veranschaulicht die leidenschaftliche Haltung. Überhaupt begegnete man an ausnahmslos allen Plätzen des mehrtägigen Events einem aufgeschlossen wie freundlichem Team, das bei Fragen weiterhalf und selbst Probleme wie mit fehlerhaften QR-Codes engagiert löste.

Über 300 Filmschaffende aus mehreren Kontinenten begleiteten ihre gezeigten Werke in Stuttgart. In den Gesprächen nach den Screenings wurde deutlich, wie sehr sich die aktuellen Produktionen mit gesellschaftlichen Spannungen auseinandersetzen – meist ohne dabei ihre formale Verspieltheit zu verlieren. Wenngleich der Wettbewerb diesjährig durchaus ein Spiegelbild der Gesellschaft schien, düstere Motive vorlagen und Themen wie Krieg, Existenzangst oder toxische Liebe in den allermeisten Fällen thematisiert wurde. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: „AMARELO BANANA“ von Alexandre Sousa präsentierte uns mit detailreicher Optik eine Realität, in der Menschen animalisch in Form von Affen innerhalb eines Wohnkomplexes leben. Ganz ohne Dialog auskommend, nur mit Blicken und Ruhe erzeugte Sousa starke Momente. Nicht umsonst mit einer „Special Mention“ der Jury bedacht. Insgesamt wurden sechs Filmpreise sowie ein Projektpreis vergeben. Neben dem Doppelsieg von Naghshineh erhielten „ZWERMEN“ von Janneke Swinkels und Tim Frijsinger besondere Erwähnungen in der International Competition.

Hier findet ihr alle Preisträger:innen des ITFS 2026.

In der Student Competition setzte sich „OUR WALLS“ von Živa Divjak durch. Ein Film, der sich still, um die eigene Familienchronik dreht. „GENTLY“ von Jamaica Kindlová wurde hier mit einer Special Mention bedacht. Der Lotte Reiniger Promotion Award ging an „ANTONIO“ von Daniela Zottola und Elisa Fanais, ergänzt durch eine Erwähnung für „SENSUAL“ von Tanja Nuijten. „BANANA SOUP“ von Geena Gasser gewann den Trickstar Nature Award. Im Langfilmbereich überzeugte „A STORY ABOUT FIRE“ von Li Wenyu in der AniMovie Competition, während „LITTLE AMÉLIE OR THE CHARACTER OF RAIN“ sowie „ALLAH IS NOT OBLIGED“ zusätzliche Aufmerksamkeit erhielten.

Ein besonderer Moment abseits der Wettbewerbsspannung ergab sich mit der Aufführung von „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ – The Adventures of Prince Achmed – begleitet vom SWR Symphonieorchester im Kinosaal. Die Verbindung aus Silhouettenfilm und Live-Musik wirkte weniger wie ein nostalgischer Rückblick als vielmehr wie eine Erinnerung daran, wie früh Animation ihre eigene Bildsprache gefunden hat – und wie gegenwärtig sie sich noch immer anfühlt. Mit dem Fokus Silhouettenfilm würdigte das ITFS die Pionierin des Animationsfilms Lotte Reiniger und ihre stilprägende Animationstechnik. Anlass war das diesjährige Jubiläum: Vor 100 Jahren, am 2. Mai 1926, wurde ihr Film DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED in Berlin uraufgeführt.

Auch das Branchenprogramm wurde intensiv genutzt. Eine Master Class mit Michel Ocelot sowie zahlreiche Networking-Formate unterstrichen den internationalen Charakter des Festivals. Parallel dazu behauptete sich die GameZone erneut als Schnittstelle zwischen klassischer Animation und interaktiven Formaten – ein Bereich, der sichtbar weiterwächst und vor allem ein jüngeres Publikum anzieht. Das Open-Air bewies mit einer guten Mischung aus anspruchsvollen jedoch kindgerechten Kurz- sowie Langfilmen ein feines Näschen für unterhaltsame Abende. Besonders die Disney-Filme „Elio“ und „Zoomania 2“ wussten zu begeistern. Die GameZone war einmal mehr im Säulensaal der Staatsgalerie beheimatet, wenngleich die Location doch weitläufig zum Rest der Veranstaltung war. Der Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Animation und Spielmechanik, interaktiven Installationen sowie Spielen von jungen Talenten und baden-württembergischen Hochschulen (z.B. HdM). Besonders für die jüngsten Festivalbesucher:innen ein unverzichtbarer Programmpunkt.

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Der nächste ITFS-Termin steht bereits fest: Das 34. Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart wird vom 27. April bis zum 2. Mai 2027 stattfinden – und vermutlich erneut für einige Tage dafür sorgen, dass sich in Stuttgart alles ein wenig trickreicher anfühlt.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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