Regisseur Jan Komasa präsentiert mit „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ einen interpretationswürdigen bis steitbaren Film über Familienzugehörigkeit und sehr eigenwillige Erziehungsmethoden, deren Funktionalität auch Freiheitsberaubung beeeinhaltet. Die polnisch-britische Koproduktion erinnert in ihrer Gnadenlosigkeit an klassische A24-Vehikel möchte jedoch anders verstanden sein und wird hierdurch als bitter-kluger Kommentar für eine Jugend formuliert, die im Social-Media Zirkus nicht mehr weiß wohin mit sich. Unsere Kritik zu „Good Boy“.
Es ist ein eigenwilliger Film, der uns zuletzt in der Sneak Preview der örtlichen Kinokette begegnete. Zu Anfang werden wir fast schon gewaltsam auf eine typischen Partynacht des heranwachsenden Tommy (Anson Boon) mitgerissen, der neben viel Alkohol, ein frivol-befreites Liebesleben führt und so mancher Line Kokain auch nicht abgeneigt scheint. Dies präsentiert er freizügig als TikTok-Influencer. Die Kamera ist so hektisch wild, dass wir an die teils unerträgliche Wackelkamera-Optik von „Jason Bourne“ erinnert werden. Doch dann plötzlich wird’s zappenduster. Tommy erwacht in einem, ihm fremden, Keller auf einer Matratze – angekettet. Wie und warum er dort gefangen gehalten wird, scheint zunächst unklar. Chris (Stephen Graham) scheint wiederum der Mann zu sein, der ihn dorthin brachte. In mehreren Wochen möchte ihn umerziehen mit teils drastischen Mitteln. Mehr will ich gar nicht offenbaren, da „Good Boy“ von seiner Handlung lebt und den größten Reiz zieht.
Was zunächst wie ein Psychothriller anmutet entfaltet sich in den stattlichen 110 Minuten zu einem interessanten Kammerspiel-artigen Erlebnis, die das Herrenhaus genauso wie die handelnden Figuren öffnen. Die Motivation von Chris, stellt Regisseur Komasa zwar offen dar, jedoch bleiben Fragen offen. Einerseits konfrontiert er Tommy mit seinen Schandtaten auf Social-Media über einen Röhrenfernsehen, wodurch die zweifelsohne unsympathische Hauptfigur eine Art Katharsis erfährt. Ungehorsam wird mit Gewalt oder teils drakonischen Strafen belegt, die nicht nur Tommy erleiden muss. Regisseur Kamasa stellt sein Publikum vor viele Fragen und beantwortet nicht alle. Vielmehr setzt er auf Interpretation. So wird Tommy durch gutes Verhalten mit „mehr“ Freiheiten belohnt, darf irgendwann den Keller verlassen oder zum Grillabend mit. Dennoch wird offen gelassen an welcher Problematik Chris Frau Kathryn (Andrea Riseborough) genau leidet. Was ihr verstorbener Sohn mit alledem zu tun hat. Interressant ist wie Kamasa dem Publikum durch die frisch eingestellte Reinigungskraft Rina (Monika Frajczyk) eine Art Identifikationsfigur an die Hand gibt, obwohl sie der Geschichte wenig gibt.
Dieser Film besitzt die, im Mainstream-Gefilden, kaum noch auftauchenden Elemente des britischen Exploatation-Kinos und vermengt sie mit großer Lust an der Social-Media Geltungssucht junger Menschen welche jede Grenze überschreiten um aufzufallen. Stephen Graham brilliert einmal als als unscheinbarer Typ, der jedoch zu allen Mitteln greift um seine eigenen Ziele zu erfüllen. „Good Boy“ ist sicherlich nicht für jeden Zuschauertypen geeignet, aber sollte mit offenen Augen gesehen werden.
Good Boy. USA 2026. Verleih: X-Verleih. Regie: Jan Komasa. Mit Anson Boon, Stephen Graham, Andrea Riseborough. Genre: Drama. 110 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren.
Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.
Disclaimer: Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Good Boy“ gibt es hier.
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