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Yanko Design LightMake L4: Vier Druckköpfe, keine Riemen und ziemlich viel Selbstbewusstsein

Der LightMake L4 will nicht einfach nur der nächste schnelle Desktop-3D-Drucker sein. Davon gibt es inzwischen genug. Gefühlt stellt jede Woche irgendein Hersteller eine neue Kiste vor, die angeblich schneller, präziser, smarter und natürlich komplett revolutionär ist. Meistens heißt das dann: etwas mehr Tempo, etwas mehr App, etwas mehr Marketing-Schaum auf dem Druckbett.

Beim LightMake L4 wird es aber tatsächlich interessant. Denn hier geht es nicht nur um höhere Druckgeschwindigkeit oder ein größeres Bauvolumen. Die Maschine setzt auf vier unabhängige Druckköpfe und verzichtet beim Bewegungssystem komplett auf klassische Riemen. Stattdessen sollen Linearmotoren für Bewegung, Präzision und Haltbarkeit sorgen. Das klingt erst mal nach großem technischen Voodoo.

Vier Köpfe statt Filament-Gefummel

Das auffälligste Merkmal des LightMake L4 ist sein unabhängiges Vierkopf-System. Vier Druckköpfe arbeiten in einer Maschine und können laut Hersteller mehrere Aufgaben übernehmen. Sie können vier identische Modelle gleichzeitig drucken, gespiegelte Teile erzeugen oder verschiedene Farben und Materialien in einem einzelnen Druck kombinieren.

Gerade bei wiederholbaren Teilen ist das spannend. Wer ein Modell viermal braucht, muss nicht viermal nacheinander drucken oder gleich mehrere Drucker aufstellen. Der L4 soll aus einer Maschine funktional fast vier Maschinen machen. Das ist natürlich der Idealfall. In der Praxis hängt wie immer viel davon ab, wie gut Software, Kalibrierung und Materialwechsel wirklich zusammenspielen. Aber der Ansatz ist deutlich spannender als das übliche „wir drucken jetzt noch schneller Benchys“-Gehabe.

Auch beim Mehrfarb- und Multimaterialdruck kann das System Vorteile haben. Klassische Einzeldüsen-Systeme müssen beim Materialwechsel oft spülen, spülen und nochmal spülen. Das kostet Zeit und produziert Müll. Separate Druckköpfe könnten diesen Aufwand deutlich reduzieren, weil nicht jedes Material durch dieselbe Düse gequetscht werden muss. Genau da wird es für Nutzer interessant, die nicht nur bunte Deko drucken, sondern funktionale Teile aus unterschiedlichen Materialien bauen wollen.

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Keine Riemen, dafür Linearmotoren

Noch spannender wird es beim Bewegungssystem. Der LightMake L4 verzichtet auf Riemen und setzt stattdessen auf Linearmotoren. Das ist im Desktop-3D-Druck nicht gerade Alltag. Riemen sind günstig, bewährt und in vielen Druckern völlig ausreichend. Sie dehnen sich aber, müssen gespannt werden und können über Zeit Verschleiß zeigen.

Linearmotoren treiben die Bewegung direkter an. Weniger mechanische Übertragung, weniger klassische Verschleißpunkte, weniger Gefrickel mit Riemenspannung. LightMake spricht von einer Closed-Loop-Präzision von ±1 µm und mehr als 50.000 Stunden stabiler Laufzeit für die Linearmotoren. Das sind große Zahlen. Sehr große Zahlen. Also genau die Art Zahlen, bei denen man als 3D-Drucker-Nutzer kurz nickt und dann erst mal wartet, bis echte Tests auf dem Tisch liegen.

Großes Bauvolumen und hohe Temperaturen

Auch beim Bauraum will der LightMake L4 nicht klein wirken. Für einfarbige Drucke werden 354 × 370 × 386 mm genannt. Bei Mehrfarbdrucken sind es 354 × 350 × 386 mm. Damit landet der Drucker klar in der größeren Desktop-Klasse.

Die maximale Düsentemperatur soll bei 320 Grad Celsius liegen. Unterstützt werden unter anderem PLA, ABS, PETG, TPU, ASA, PVA, PET und carbonfaserverstärkte Materialien. Damit zielt der L4 nicht nur auf Figuren, Vasen und hübsche Staubfänger, sondern eher auf Nutzer, die tatsächlich verschiedene technische Materialien einsetzen wollen.

Dazu kommen zwei HD-Kameras, ein 6,5-Zoll-Touchscreen und eine RFID-Materialerkennung. Klingt nach moderner Vollausstattung. Ob das alles am Ende sauber und nicht nur hübsch verpackt funktioniert, muss sich zeigen. Gerade RFID-Systeme sind praktisch, können aber auch nerven, wenn Hersteller daraus ein geschlossenes Filament-Gatter bauen. Mal sehen, ob LightMake hier offen bleibt oder irgendwann doch die Material-Leine enger zieht.

Für Bastler nett, für kleine Serien richtig spannend

Der LightMake L4 klingt weniger nach einem Drucker für komplette Einsteiger und mehr nach einer Maschine für ambitionierte Maker, kleine Studios, Modellbauer, Produktentwickler oder Mini-Printfarms. Vor allem die Kombination aus vier Druckköpfen, großem Bauraum und flottem Werkzeugwechsel könnte dort interessant werden, wo nicht nur ein Einzelstück gedruckt wird.

LightMake nennt außerdem Funktionen für Flottenmanagement und eine AutoQueue-Funktion. Damit sollen Druckaufträge besser auf mehrere Maschinen verteilt werden können. Das zeigt ziemlich klar, wohin die Reise gehen soll: Der L4 will nicht nur auf dem Basteltisch stehen, sondern auch in kleinen Produktionsumgebungen mitspielen.

Und genau da wird es interessant. Viele Desktop-Drucker sind heute schnell. Viele sind groß. Einige können mehrere Farben. Aber wirklich effiziente Kleinserienproduktion bleibt oft ein ziemliches Gefummel. Wenn LightMake hier mit vier Köpfen und weniger Materialverschwendung tatsächlich einen echten Workflow-Vorteil liefert, könnte der L4 mehr sein als nur ein weiterer Kickstarter-Drucker mit dicker Hose.

Kickstarter bleibt Kickstarter

Der LightMake L4 soll über Kickstarter starten. Gerade bei komplexer Hardware gilt: schöne Renderings, starke Datenblätter und ein beeindruckendes Konzept sind noch kein fertiges Serienprodukt.

Vier Druckköpfe, Linearmotoren, Closed-Loop-Präzision, automatische Aufgabenverteilung, großer Bauraum, mehrere Materialien, hohe Geschwindigkeit – das ist technisch eine Menge Zeug in einer Kiste. Je mehr ein Hersteller verspricht, desto wichtiger werden echte Tests, Langzeiterfahrung und Support. Gerade im 3D-Druck entscheidet nicht das Datenblatt allein, sondern das, was nach 200 Druckstunden passiert, wenn ein Kopf leicht danebenliegt, ein Material zickt oder die Software plötzlich meint, sie hätte heute frei.

LightMake L4 könnte einer der spannenderen 3D-Drucker des Jahres werden

Der LightMake L4 ist kein Drucker, den man einfach als „noch schneller, noch größer“ abhaken sollte. Vier unabhängige Druckköpfe, ein riemenloses Linearmotor-System und der Fokus auf paralleles Drucken machen ihn deutlich interessanter als viele andere Ankündigungen aus der 3D-Druck-Ecke.

Noch ist vieles Versprechen. Aber es sind immerhin Versprechen, die an den richtigen Stellen ansetzen: weniger Wartezeit, weniger Materialverschwendung, mehr Durchsatz, weniger mechanischer Verschleiß. Wenn LightMake das sauber in ein stabiles Produkt bekommt, könnte der L4 für Maker, kleine Werkstätten und Prototyping-Teams ein ziemlich heißes Gerät werden.

Bis dahin gilt: spannend bleiben, skeptisch bleiben. Genau diese Mischung macht 3D-Druck ja so schön anstrengend.

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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