KinoKritiken

Kritik zu „Disclosure Day“ – Spielberg holt die nostalgische Alien-Keule raus

Bundesweiter Kinostart: 10. Juni 2026

Regie-Maestro Steven Spielberg kehrt mit „Disclosure Day“ zu einem Thema zurück, das ihn schon seit Jahrzehnten begleitet. Knapp 50 Jahre nach „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ beschäftigt er sich erneut mit außerirdischem Leben – allerdings aus einer ganz anderen Perspektive. Was zunächst wie ein klassischer Verschwörungsthriller wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einer Mischung aus Science-Fiction, Politdrama und typisch spielbergschem Abenteuerkino. Das funktioniert erstaunlich oft, gerät aber nicht immer so rund, wie man es von einem Regisseur seines Kalibers erwarten würde. Unsere Kritik zum Neustart.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Daniel Kellner (Josh O’Connor), ein Cybersecurity-Experte, der an streng geheime Informationen über außerirdische Kontakte gelangt, welche Jahre. Parallel dazu erlebt die Wettermoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt) seltsame Ereignisse, die ihr Leben zunehmend aus der Bahn werfen. Beispielsweise wechselt Sie innerhalb eines Gesprächs die Sprache und spricht plötzlich akzentfreies Russisch oder kennt intimste Geheimnisse von wildfremden Menschen. Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten, denn „Disclosure Day“ lebt davon, seine Karten nur langsam aufzudecken und sein Publikum möglichst lange im Ungewissen zu lassen.

Die erste Stunde gehört dabei zum Besten, was Spielberg in den vergangenen Jahren abgeliefert hat. Der Film entwickelt einen regelrechten Sog. Überall tauchen Hinweise auf, Menschen verhalten sich merkwürdig und ständig entsteht das Gefühl, dass hinter dem Vorhang etwas deutlich Größeres wartet. Spielberg inszeniert das mit einer Geduld samt netten Comic-Relief Spitzen, die man in modernen Blockbustern nur noch selten findet. Er muss nicht alle fünf Minuten eine Explosion zünden, um Spannung zu erzeugen. Wobei die Action wirklich pointiert gesetzt ist.

Vor allem Emily Blunt profitiert davon. Ihre Figur ist ein emotionaler Anker im Film und trägt viele der stärksten Momente. Josh O’Connor gibt den klassischen Spielberg-Protagonisten wider Willen – einen Mann, der plötzlich in etwas hineingezogen wird, das seine Vorstellungskraft übersteigt aber mit moralischen Grenzen versucht eine Lösung zu finden. Schwiegertochter und jetzt Mutter-Liebling Colin Firth wiederum scheint sichtlich Spaß daran zu haben, den undurchsichtigen Gegenspieler zu geben.

Gleichzeitig merkt man dem Film an, dass Spielberg hier viele Ideen unterbringen wollte. Regierungsgeheimnisse, Verschwörungstheorien, Social Media, gesellschaftliche Spaltung, Glaube, Wissenschaft und natürlich die Frage nach außerirdischem Leben. Das ist spannend, führt aber auch dazu, dass einige Themen nur angerissen werden. Zudem scheint sich seine Leidenschaft alle Helfer der bösen Seite in schwarzen Autos herumfahren zu lassen genauso nur den Bösewicht, hier Firth, die gesamte Gewalt über die Operation zu sitzen, bewährt zu haben.

Überhaupt fühlt sich „Disclosure Day“ manchmal wie eine kleine Reise durch Spielbergs eigene Filmografie an. Wer seine Sci-Fi Klassiker kennt, wird mehr als einmal denken: Das kommt mir doch bekannt vor! Mal funktioniert das hervorragend und erinnert daran, weshalb Spielberg über Jahrzehnte hinweg das moderne Abenteuerkino geprägt hat. An anderen Stellen wirkt es allerdings so, als würde er noch einmal auf Nummer sicher gehen und lieber Bekanntes aufgreifen, statt etwas wirklich Neues zu wagen.

Am deutlichsten zeigt sich das im letzten Drittel. Je länger der Film seine Geheimnisse hütet, desto größer werden automatisch die Erwartungen. Nicht jede davon kann er am Ende erfüllen. Die Auflösung ist keineswegs schlecht, wirkt aber überraschend bodenständig für einen Film, der zuvor so große Fragen rund um Religion und Naturwissenschaft aufwarf. Einige Zuschauer werden die emotionale Richtung mögen, andere dürften sich etwas mehr Mut und etwas weniger Zurückhaltung gewünscht haben. Technisch gibt es dagegen kaum etwas zu meckern. Haus- und Hofkameramann Janusz Kamiński liefert einmal mehr beeindruckende Bilder ab, samt einer Bildsprache die mit grandiosen Schwenks arbeitet und der mittlerweile 96 jährige John Williams beweist, dass er noch immer genau weiß, wie man Gefühlswelten vertont. Gerade die ruhigeren Szenen profitieren enorm von der Atmosphäre, die Bild und Musik gemeinsam erzeugen. Insgesamt lohnt sich dieser Film im Dolby Cinema oder wenigstens mit Dolby Atmos-Unterstützung im Kino eures Vertrauens anzusehen.

Ein neues Meisterwerk ist „Disclosure Day“ freilich nicht geworden. Dafür bleibt die Science-Fiction Hatz in einigen Punkten zu undifferenziert und verschenkt ein Stück seines gewaltigen Potenzials. Dennoch ist dies einer der stärksten Spielberg-Filme der letzten Jahre. Nicht weil er das Science-Fiction-Genre neu erfindet, sondern weil er daran erinnert, wie wirkungsvoll großes Unterhaltungskino sein kann, wenn es seine Figuren ernst nimmt und seinem Publikum Zeit gibt – jene aufgeworfenen Fragen selbst zu interpretieren.

Disclosure Day. USA 2026. Verleih: Universal Pictures. Regie: Steven Spielberg. Mit Colin Firth, Emily Blunt, Josh O’Connor. Genre: Science-Fiction. 125 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Ja.

Disclaimer: Vielen Dank an den Traumpalast Esslingen für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Disclosure Day“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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