Gaming

Kurztest: Sennheiser GSX1000 + G4ME ONE Headset

Sennheiser ist eines der Urgesteine in der Audiobranche. Vor allem Kopfhörer und Mikrofone sind das Spezialgebiet der Audioschmiede, aber auch Verstärker und Studiotechnik findet sich im Portfolio. In der Gaming-Sparte war Sennheiser bereits unterwegs, allerdings bisher eher unauffällig. Mit dem GSX1000 Headset-Verstärker und dem G4ME ONE Headset will man das nun ändern – unter anderem auch durch eine extrem einfache Einrichtung. Im Test schauen wir, ob das Konzept aufgeht.

Sennheiser hat uns zum Test einen GSX1000 Verstärker und gleich zwei G4ME ONE Headsets zur Verfügung gestellt. Das Headset will mit einer offenen Bauweise punkten, dazu gibt es mit Samt überzogene Ohrpolster, ein gesleevtes Kabel, eine integrierte Lautstärke-Regelung und ein klappbares Mikrofon.

Der GSX1000 Verstärker dagegen soll ein binaurales Surround-Erlebnis bieten und ganz ohne extra Treiber und Software auskommen. Die Steuerung erfolgt über ein Touch-Sensitives Display samt Rad zur Lautstärkeregelung. Die verschiedenen Soundmodi werden dann einfach per Fingertipp gesteuert, was auf den ersten Blick ziemlich bequem ist. Das Display dimmt sich außerdem automatisch und wird aktiviert, sobald sich die Hand nähert. Über ein seitliches Drehrad kann zudem das Mikrofon separat gesteuert werden.

Technisch setzt man im Verstärker dafür auf einen 24bit DAC und die Sennheiser „7.1 Binaural Rendering Engine“. Welche DAC und welche Verstärker verbaut werden, gibt Sennheiser leider nicht an, laut Beschreibung handelt es sich um „speziell von Sennheiser entwickelte DAC“.

Beides klingt erstmal spannend, schauen – oder besser – hören wir mal, wie es im Alltag ausfällt.

Sennheiser GSX 1000

Erstmal zum Verstärker, denn an diesen kommt später das Headset. Als Anschlüsse stehen einmal die Headset-Anschlüsse zur Verfügung, Kopfhörer und Mikrofon sind voneinander getrennt. Zusätzlich können noch Boxen oder ein zweites Paar Kopfhörer angesteckt werden, zwischen den beiden Ausgängen kann dann einfach per Fingertipp gewechselt werden.

Sennheiser GSX1000 Verstärker

Die Bedienung ist generell sehr einfach gehalten. Mittig befindet sich die immer aktive Lautstärke-Anzeige. Um diese herum sammeln sich dann die Einstellungsmöglichkeiten für die Klangmodi, den Ausgang, Audio-Presets, Surround-Verstärkung, Sidetone-Level und die Geräuschunterdrückung. Das Display schaltet sich automatisch ein, sobald man sich mit der Hand nähert, ansonsten ist nur die gedimmte Lautstärke-Anzeige zu sehen. Um das Touch-Controlpanel herum läuft dann der Ring zur Steuerung der Lautstärke. Angenehm groß und einfach zu drehen, auch im Eifer des Gefechts findet man die Steuerung daher schnell und vor allem auch blind. Schade finde ich nur, dass der Ring immer frei dreht und es keine Rasterung gibt.

An den vier Ecken des Gehäuses befinden sich vier weitere Touch-Sensoren. Über diese lassen sich insgesamt vier Profile festlegen und auf die Schnelle wechseln. Um ein Profil zu speichern hält man einfach die Profil-Auswahltaste kurz (3 Sekunden) gedrückt. Bestätigt wird das gespeicherte Profil durch kurzes, schnelles Blinken der Lautstärkeanzeige. So kann man beispielsweise schnell zwischen dem Surround-Gaming-Profil mit Kopfhörern auf ein Profil für Filme oder Musik über Lautsprecher wechseln.

Zuletzt ist dann noch an der rechten Gehäuseseite ein extra Drehrad, über das sich die Lautstärke des Mikrofons steuern lässt.

Die initiale Einrichtung ist trotz all der Optionen absolut simpel. Extrem simpel um genau zu sein. Sie besteht eigentlich nur darin, das USB-Kabel in einen freien USB-Port zu stecken und das andere Ende in den GSX 1000. Im Anschluss einfach kurz warten, bis die Treiber etc. automatisch installiert wurden und fertig. Naja, wobei, fast fertig, denn zumindest bei der allerersten Einrichtung musste ich im Audio-Manager von Windows 10 noch das Audiogerät umstellen. Von „Headset Audio (GSX 1000)“ auf „Lautsprecher (GSX 1000). Das ist auch der einzige Schritt, den die beiliegende Kurzanleitung aufführt.

Danach war wirklich alles fix und fertig. Selbst das Mikrofon, bei mir sonst immer eine Hass-Aufgabe es einzurichten, hat direkt funktioniert. Noch fix die Lautstärke eingepegelt, fertig.

Der Klang

Viel wichtiger als die (nicht wirklich nötige) Einrichtung. Vorweg: Im Vergleich mit der integrierten Soundkarte meines Notebooks oder auch meines PCs gewinnt der Sennheiser haushoch. Ok, würde ich bei so einem Gerät auch erwarten, aber das ist ja letztlich auch der wichtigste Faktor, nämlich: Braucht man sowas überhaupt? Die Antwort ist wie immer auf solche Fragen: Jain.

Schon im ersten Durchlauf hört man ganz klar, dass der GSX 1000 deutlich kraftvoller und agiler aufspielt als eine integrierte Audiolösung. Musik wirkt eindrucksvoller, nicht so flach und leblos wie bei vielen einfachen Soundchips üblich. Hier bringt er also definitiv eine hörbare Verbesserung. Auch mit kritischen Kopfhörern wie den Beyerdynamic DT770 Pro gibt es kaum Schwächen. Im Musik-Preset neigt er nur hier und da zu minimal unsauberen Höhen.

Sennheiser GSX1000 Verstärker

Ansonsten sind die Stimmen klar und verständlich, auch im „Movie“ Preset. Switcht man zum Gaming werden die Mitten fast komplett gestrichen. Übrig bleiben Höhen und Tiefen, dadurch ist aber besonders Sprache sehr gut hör- und vom Hintergrund differenzierbar.

Gaming

Gerade Gaming steht im Fokus und dafür bietet der GSX 1000 allerlei Funktionen. Zum einen das schon erwähnte Audio-Preset, zum anderen bietet er simulierten 7.1 Klang, Geräuschunterdrückung und optimierte Sprachwiedergabe, um die Kommunikation im Team besser zu gestalten.

Gerade der Raumklang ist eines der Hauptfeatures, auf das Sennheiser großen Wert legt. Ganz so einfach ist das Thema nämlich nicht, denn der Raumklang in 7.1 kann lediglich simuliert werden – so eine 3,5mm Klinke überträgt eben nur zwei Kanäle. Dennoch klappt die Ortung im Raum ziemlich gut. Im Spiel sollte man natürlich die Audio-Ausgabe auf 7.1 stellen, damit der GSX 1000 mit diesen Informationen gefüttert wird. Die „Sennheiser 7.1 Binaural Rendering Engine“ erledigt dann den Rest.

Die Ortung der Gegner klappte damit gut, trotz „nur“ eines Stereo-Headsets. Sich nähernde Gegner waren damit beispielsweise in GR: Wildlands auch ohne Blick auf die Minimap schnell geortet. Soundeffekte wie Unwetter, Gewitter, Explosionen kamen natürlich rüber und sorgten auch hier und da mal für einen Blick über die Schulter, ob gerade ein Gewitter ausgebrochen ist.

Sennheiser GSX1000 Verstärker

Die diversen Einstellungen, beispielsweise die „Reverb“ Einstellung für die Umgebung, machen sich zwar bemerkbar, wenn man genau hinhört, riesige Unterschiede in der Wiedergabe konnte ich allerdings nicht wahrnehmen. Hier sind es dann vermutlich eher Nuancen, die ggf. noch im E-Sports-Bereich minimale Vorteile bringen.

Welches Headset oder welche Kopfhörer angeschlossen sind waren dabei recht egal, denn die Hauptarbeit hat der Verstärker übernommen – so wie es sein sollte. Natürlich muss man dabei aber auch erwähnen, dass er keine Wunder vollbringen kann, wenn die angeschlossenen Kopfhörer so gar nichts taugen.

G4ME ONE Headset

Kommen wir zum Headset. Der erste Eindruck bestätigt das, was ich von Sennheiser erwarten würde: Solide Verarbeitung, der verwendete Kunststoff fühlt sich gut in der Hand an und nichts knarzt oder knackt. Schönes Detail sind auch die abnehmbaren Ohrpolster – nach längerer Nutzung will man die mit Samt bespannten Polster ja vielleicht doch mal ersetzen oder zumindest ein wenig reinigen. Sennheiser-typisch gibt es im haueigenen Store auch passende Ersatzteile. Das Kopfpolster am Kopfbügel ist allerdings geklebt.

Sennheiser G4ME ONE Headset

Praktisch ist auch die Bedienung des Headsets. An der rechten Hörmuschel sitzt ein Lautstärkeregler, der sich gut erfühlen und blind bedienen lässt. Links sitzt das Mikrofon, das sich bei Bedarf hochklappen lässt. Klappt man es hoch, schaltet es auch automatisch stumm. Ein kleines aber feines Detail dabei: Der Sensor, der das Mikrofon aktiviert bzw. deaktiviert gibt einen leisen Klick von sich, wenn er auslöst. So kann man sich sicher sein, dass das Mikro auch korrekt ein- oder ausschaltet, wenn es das tun soll.

Sennheiser G4ME ONE Headset

Wo wir schon bei den Ohrpolstern sind, gehen wir doch gleich zum Tragekomfort über. Der ist gut und auch auf Dauer angenehm. Die Ohrpolster sind ziemlich groß, sodass auch meine großen Ohren noch gerade so reinpassen, ohne irgendwo anzustoßen. Normalerweise ein ziemliches Problem für mich, in diesem Fall nicht.

Sennheiser G4ME ONE Headset

Die Größeneinstellung ist etwas schwergängig, was sich mit längerer Benutzung aber auch verändern kann. Dadurch sitzen die G4ME ONE allerdings auch ziemlich sicher auf dem Kopf. Selbst schnelle Bewegungen interessieren sie nicht im Geringsten, sie bleiben da, wo sie sein sollen. Bei Nutzern mit großem Kopf sitzen sie aber gegebenenfalls etwas straff – zumindest tun sie das bei mir. Dennoch sind sie selbst nach einer Stunde nonstop Nutzung nicht unangenehm. Heiße Ohren bleiben durch die offene Bauweise auch aus.

Beim Sound setzt Sennheiser auf eine recht neutrale Grundabstimmung. Dadurch kann man sich den Sound an seine Hörgewohnheiten anpassen. Der Bass ist dennoch ein wenig betont, die Mitten ein wenig runter gezogen um den Fokus mehr in die Höhen zu legen. Passt beim Gaming, auch Musik kann man damit problemlos hören. Die offene Bauweise bringt auch wenig Bühne mit rein, was bei Gaming-Headsets eher eine Seltenheit ist. Insgesamt wirken sie recht offen, nicht so beengt wie viele geschlossenen Systeme.

Das Mikro arbeitete im Test auch einwandfrei – meine Gegenüber konnten mich problemlos verstehen. Umgebungsgeräusche wurden dabei gut unterdrückt, meine Tastatur mit blauen CHERRY MX Switchen war dann aber doch zu viel für die Geräuschunterdrückung ;).

Zusammengefasst

Sennheiser G4ME ONE Headset

Also braucht man denn nun den GSX 1000 Gaming Audio Verstärker? Es hängt davon ab… Insgesamt ist das Bild recht positiv: Die Verarbeitung passt, die Steuerung ist einfach und auch die Inbetriebnahme könnte kaum simpler sein. Keine (oftmals schlechte) Software die den PC verlangsamt, sondern alles was den Ton anbelangt wird direkt ausgelagert.

Die zig verschiedenen Audio-Effekte und manche der Presets sind aus meiner Sicht aber recht überflüssig, entweder konnte ich keinen Unterschied hören, oder das Preset sorge einfach nur dafür, dass Bass und Höhen drastisch gesteigert wurden. Kann gefallen, muss aber nicht.

Wer aber guten virtuellen Surround und eine generelle Verbesserung der Audioqualität sucht, sollte einen genaueren Blick auf den GSX 1000 werfen. Der Spagat zwischen Gaming und normalem Audio gelingt mit wenigen Ausnahmen ganz gut.

Das Headset leistet sich dagegen eigentlich keine so richtige Schwäche. Einzig das geklebte Kopfband ist hinsichtlich der Haltbarkeit ein kleiner Minuspunkt. Verarbeitung, Tragekomfort und Klang sind aber allesamt auf einem hohen Niveau. Das Kabel ist mit seinen drei Metern recht lang, wirklich gestört hat das aber auch nicht. Ihr seht: Minuspunkte zu finden ist gar nicht so einfach.

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Hannes

Metalhead, Audiophil, meist mit Kopfhörern anzutreffen. Seit Kindertagen am PC unterwegs und seitdem nicht davon weggekommen. Schreibt dinge über PCs, Smartphones und Notebooks ins Internet.

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