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Special: Comic Con Stuttgart 2021 – Die Maske verbindet

Zwischen Hollywood und Comicwelt

Nach über einem Jahr Zwangspause ging am gestrigen Sonntagabend eines der beliebtesten Gipfeltreffen unter Comic-Liebhabern sowie Popkultur-Fans in der Messe Stuttgart zu Ende. Die Comic-Con Stuttgart 2021 begeisterte mit amüsanten Panels, vielen Cosplays und konnte trotz tobender Pandemie mit merklichen Hygiene-Maßnahmen etwas Beruhigung schaffen. Wir waren in den nerdigen Messehallen unterwegs.

Schmelztiegel der Popkultur

Wenn ein wild gestikuliernder Deadpool den scheinbar ruhigen Darth Vader um ein Selfie bittet oder sich wildfremde Naruto-Cosplays begeistert für ein Gruppenselfie zusammentun, dann wart ihr mit ziemlicher Sicherheit auf der Comic-Con Stuttgart. Seit 2016 laden die Augsburger Veranstalter samt der Messe Stuttgart zum gepflegten Austausch zwischen Fans, Standbetreiber:innen und Hollywood-Stars ein. Aufgrund der unsicheren Lage durch den Coronavirus war lange nicht gänzlich klar, ob und wie genau die Messe stattfinden wird. Als Grundqualifikation galt 2G – was sich besonders am Starttag an den durchaus längeren Schlangen vor den Kontrollzelten bemerkbar machte. Vorsicht ist eben besser als Nachsicht. Doch einmal angekommen öffnete sich für jeden Besucher eine kunterbunte Welt für nahezu alle Geschmäcker. Direkt in Halle 1 durfte sich der Stadt ansässige Panini Verlag präsentieren, zudem geizte man nicht mit gut besuchten Autogrammstunden verschiedener Comic-Zeichner:innen. Freunde der anspruchsvollen Bilderzählung wurden gegenüber bei der Comic Sammlerecke fündig. Wie auf Großmärkten üblich wurde hier auch nach Kilo abgerechnet. In den Regalen fanden sich natürlich höherpreisige Bücher von „Batman“, Marvel bis hin zu Klassikern wie „Sinister Six“. Überhaupt boten die über 300 Aussteller:innen nahezu alles was Superhelden-Herzen begehren – seien es Sammlerfiguren, kunterbuntes Merchandising zu verschiedensten Marken, handgemachte Zeichnungen im vorderen Teil der Messehalle 1 und der großangelegte Stand der „Konsolendealer“ wartete neben zahlreichen Videospielen auch mit der Retro Gaming Area auf. Zwischendurch eine lockere Runde „Mario Kart“ auf dem SNES zocken – kein Problem!

Trotz der schwierigen Lage begegneten die Standbetreiber jedem interssierten Besucher überaus positiv, gaben sogar Kaufberatungen in ruhigen Momenten oder kleinere Preisnachlässe. In Sachen Atmosphäre büßte das Event nichts ein. Auf der linken Seite der Halle fanden sich allerlei Installationen beispielsweise sorgten die Umbrella Marines für zuverlässigen Schutz gegen Zombies während K.I.T.T. aus „Knight Rider“ unterhaltsam die flanierenden Besucher anquatschte. Weiter vorne gab es im recht kostspieligen Food Court eine wilde Mischung an schwarzen Eiswaffeln, cremigen Donuts oder für den größeren Hunger Burritos. Natürlich kamen auch Veganer mit fleischfreien Snacks nicht zu kurz. Das COSPLAY KINGDOM entwickelte sich zum absoluten Must-See. Überdurchschnittlich hoch war das diesjährige Niveau sämtlicher Cosplay’s. Selbst die von allen beherzigte Maskenpflicht konnte minutiös genaues Make-Up keineswegs zerstören, wobei Figuren wie „Deadpool“ oder Spider-Man im ledrigen Ganzkörperkondom hier im Vorteil stehen. Besonders professionelle Cosplayer wie „Cumbermatch“, der Schauspieler Benedict Cumberbatch zum Verwechseln ähnlich sieht, war häufig für Fotos gefragt. Klares Highlight war am späten Samstagmittag das Spontankonzert der Mittelalter-Rockband „Saltatio Mortis“ auf der Comic-Zone Stage, später liefen sie noch musizierend zu viert durch die Halle. Großartig! Entlang der Empore bauten die fleißigen LEGO-Werker des Vereins „Schwabenstein“ nicht weniger als Monumentales – 120 Meter lange Strecken mit über 6000 verbauten Schienen, wie uns der Konstrukteur freudig mitteilte. „Wochenlang saß ich am PC, baute mit dem LEGO-Programm an den Strecken, damit ja alles passt!“, fügte er hinzu. Die langwierige Arbeit lohnt sich – wie unser aufgenommener Clip zeigt.

Leuchtend wie Tokyo bei Nacht

Aufgrund des Hygienekonzepts gab es sichtbar größeren Abstand zwischen den Ständen, was findige Aussteller galant durch Deko verbergen konnten. Passend hierzu positionierte sich das schwäbische Unternehmen „Albstoffe“ – medizinische Masken im schnöden Himmelblau? Nicht hier! Man passte sich mutig zu Anfangszeiten der Pandemie an, in dem die Produktion von Masken in unterschiedlichen Designs direkt in Deutschland angekurbelt wurde. Praktisch: Sichere Arbeitsplätze in unsicheren Zeiten. Sympathisch konnten CCON-Gänger einzelne Masken samt Gutscheine abstauben. Die Comic-Zone der zeichnenden Zunft war ebenso populär – engagiert beantworteten alle Teilnehmer aufkeimende Fragen der Besucher. Zudem gab es immer mal wieder Live-Zeichnungen. Nicht übel. Weiteres Herzstück, neben den geschlossenen Photosessions, waren die offenen Panels mit massig Starpower! Ben Barnes, u.a. bekannt aus „Shadow of Bone“ & „Narnia“-Filmreihe, feixte bestens gelaunt mit Moderatorin Nessi Wann-Petry. Erzählte dank der Fragen einiger Zuschauer:innen viele informative Anekdoten von vergangenen Projekten. Gleich gilt für den „Shadow and Bone“-Cast bestehend aus Amita Suman, Kit Young und Freddy Carter. Ganz witzig konterte Young auf die Frage etwas über die kommende Staffel zu verraten, damit als ob Netflix gerade ihm irgendwelche Infos geben würde. Während der vordere Sitzblock exklusiv für bestimmte Kartenkäufer zugänglich war, waren die Reihen dahinter frei für jeden. Check-In durch LUCA vorausgesetzt. Liebhaber der klassischen ZDF-Weihnachtsserien kamen wiederum bei Radost „Momo“ Bokel und Patrick Bach aus „Silas“ auf ihre Kosten. Schön: Waren die Panels in früheren Jahren komplett abgeschottet, konnten alle Bühnenshows in Halle 3 auch stehend am Gitter von außen genossen werden. Selbst Druiden oder Mister Spock plagen manchmal den Hunger – Abhilfe schaffte der rau-herzliche Mittelalter-Weihnachtsmarkt. Zwischen Zyklopenspieße und Met flogen durch einen aufziehenden Schneesturm fast einige Zelte weg. Passiert ist natürlich nichts.

Insgesamt war unter trotz allen Umständen ein wunderbarer Beweis dafür wie eine besucherstarke Messe auch in deratig herausfordernden Zeiten funktionieren kann, sofern sich alle an die Regeln halten. Mit rund 23.000 2G-kontrollierte Besucher:innen gab es zweifellos keinen neuen Rekord aber immerhin die Chance für ablenkende Unterhaltung der grauen Wirklichkeit. Der durch die Comic-Con Experience in Köln resultierende Umzug vom Sommer auf Winter ist verständlich aber vielleicht nochmal eine Überlegung für 2022 wert – genauso wie Batman kehrt die Comic-Con Stuttgart nämlich zurück.

Hier findest du unsere aktuellen Filmkritiken.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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