
Was letzte Preis? – eBay sagt nein zu GameStop
GameStop wollte eBay kaufen. Der Videospielhändler, der seit Jahren zwischen Filialsterben, Meme-Aktie und Ryan-Cohen-Kult pendelt, wollte sich mal eben einen der bekanntesten Online-Marktplätze der Welt einverleiben. eBay hat sich das Angebot angeschaut, vermutlich kurz die Augenbraue hochgezogen, und dann recht deutlich abgelehnt.
Der Verwaltungsrat von eBay bezeichnete das Übernahmeangebot als „weder glaubwürdig noch attraktiv“. Das steht nicht nur in Medienberichten, sondern direkt in der offiziellen Mitteilung von eBay. GameStop hatte ein unaufgefordertes, nicht bindendes Angebot für eBay abgegeben. Der Wert lag bei rund 55,5 bis 56 Milliarden US-Dollar. Geboten wurden 125 US-Dollar je Aktie, zur Hälfte in bar und zur Hälfte in GameStop-Aktien.
eBay glaubt nicht an den Deal
eBay nennt mehrere Gründe für die Absage. Der Konzern verweist auf die eigenen Zukunftsaussichten, Zweifel an der Finanzierung, mögliche Risiken für Wachstum und Profitabilität sowie auf operative Probleme einer zusammengelegten Firma. Auch die Führungsstruktur und die Governance bei GameStop werden ausdrücklich als Punkte genannt.
Die Finanzierung bleibt der wackelige Teil
GameStop hatte in seinem eigenen Vorschlag von einem Angebot über 125 US-Dollar pro eBay-Aktie gesprochen. Der Deal sollte aus 50 Prozent Bargeld und 50 Prozent GameStop-Aktien bestehen. GameStop sprach dabei von einem Gesamtwert von rund 55,5 Milliarden US-Dollar und einer Prämie gegenüber den vorherigen Durchschnittskursen. Reuters berichtet, dass GameStop für die Finanzierung unter anderem auf eine 20-Milliarden-Dollar-Finanzierungszusage von TD Bank verwies. Diese soll aber an Bedingungen geknüpft sein, darunter ein Investment-Grade-Rating. eBay zweifelt offenbar daran, dass diese Finanzierung tragfähig genug ist. Auch Analysten stellten die Frage, wie GameStop den Rest des Deals stemmen will.
Ryan Cohen wollte eBay offenbar gegen Amazon stellen
GameStop-Chef Ryan Cohen sieht in eBay offenbar mehr als nur einen Marktplatz für gebrauchte Konsolen, Sneaker und seltsame Dachbodenfunde. Laut einiger Quellen stellte GameStop Ideen vor, wie eBay stärker gegen Amazon positioniert werden könnte. Dazu gehörten unter anderem GameStop-Filialen als Logistikpunkte und Live-Verkaufsformate mit eBay-Produkten.
eBay setzt auf sich selbst
eBay gibt sich in der Absage selbstbewusst. Das Unternehmen verweist auf seine geschärfte Strategie, Verbesserungen am Marktplatz, die Seller Experience und Kapitalrückgaben an Aktionäre. 2025 habe eBay ein Brutto-Handelsvolumen von fast 80 Milliarden US-Dollar ermöglicht. Der Konzern sieht sich also nicht als müder Übernahmekandidat, sondern als Firma, die allein weitermachen will. GameStop könnte sich nun theoretisch direkt an die Aktionäre wenden oder den Druck anderweitig erhöhen. eBay hat nun aber sehr deutlich markiert, was es von der Idee hält. Nämlich ungefähr so viel wie ein Verkäufer von einer Nachricht mit „Was letzter Preis?“ um 2:17 Uhr nachts.
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