3D-DruckDruck-PraxisTestberichte

SUNLU AMS Lite Heater im Review: Genau das hat dem AMS Lite gefehlt

So stimmen unsere Leser ab:

Das AMS Lite von Bambu Lab ist eines dieser Zubehörteile, an deren Komfort man sich ziemlich schnell gewöhnt. Vier Filamente stehen bereit, Farbwechsel funktionieren automatisch und gerade zusammen mit dem Bambu Lab A1 ist das System im Alltag angenehm unkompliziert. Einen ziemlich offensichtlichen Haken hat das AMS Lite allerdings: Es ist komplett offen. Während geschlossene Materialsysteme das Filament zumindest halbwegs vor der Umgebungsluft schützen können, hängen die vier Rollen beim AMS Lite völlig frei im Raum. Bei PLA ist das häufig noch kein großes Drama, bei PETG, PA oder anderen stärker hygroskopischen Materialien kann Feuchtigkeit dagegen schnell zum Problem werden. Genau hier setzt der SUNLU AMS Lite Heater an. Er verwandelt das vorhandene AMS Lite in eine geschlossene und aktiv beheizte Filamentkammer, ohne dessen eigentliche Funktionen zu verändern. Bis zu vier Rollen können weiterhin gleichzeitig genutzt werden – nur eben geschützt und bei Bedarf beheizt. SUNLU ermöglicht Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius und erlaubt das Trocknen sogar während des Druckens.

Eigentlich hätte das AMS Lite von Anfang an so sein können

Der Ansatz ist erstaunlich simpel. SUNLU baut kein eigenes Materialsystem und ersetzt auch nicht die Mechanik des AMS Lite. Stattdessen wird das vorhandene AMS Lite in ein geschlossenes Gehäuse integriert. Die vier originalen Spulenhalter bleiben erhalten, ebenso die Zuführung, die RFID-Erkennung kompatibler Bambu-Lab-Spulen und natürlich der automatische Filamentwechsel. Der Heater kümmert sich im Prinzip nur um zwei Dinge: Filament von der Umgebungsluft abschirmen und bei Bedarf aktiv trocknen. Damit beseitigt SUNLU ziemlich genau die Schwachstelle, die mich am offenen Konzept des AMS Lite schon immer gestört hat. Und das funktioniert erstaunlich gut.

Die Installation braucht etwas Geduld

Ganz so einfach wie „Gehäuse drüber und fertig“ ist die Sache allerdings nicht. Das AMS Lite muss für den Einbau teilweise zerlegt werden. Einige Schrauben müssen entfernt werden und auch der obere Bereich des AMS Lite wird demontiert. Anschließend wird die vorhandene Technik in das SUNLU-Gehäuse eingesetzt und dort wieder befestigt. Das klingt zunächst schlimmer, als es tatsächlich ist. Man sollte sich allerdings etwas Zeit und Geduld nehmen, weil Halterungen teilweise sauber ausgerichtet werden müssen und man beim Umgang mit Kabeln und Zuführungen nicht einfach grob arbeiten sollte.

Wer schon einmal einen 3D-Drucker zusammengebaut oder kleinere Arbeiten daran vorgenommen hat, dürfte hier trotzdem keine ernsthaften Schwierigkeiten bekommen. Für den kompletten Umbau sollte man ungefähr 20 bis 30 Minuten einplanen. Danach ist das Thema erledigt. Das Schöne daran: Es handelt sich nicht um irgendeine wilde Bastellösung mit selbst gedruckten Gehäuseteilen, Heizmatten und zusammengelöteten Komponenten. Am Ende sieht das Ganze tatsächlich wie ein zusammengehöriges Produkt aus.

Nach dem Umbau bleibt das AMS Lite ein AMS Lite

Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte. Der SUNLU Heater verändert die eigentliche Arbeitsweise des AMS Lite praktisch nicht. Die Spulen sitzen weiterhin auf den bekannten Haltern, das Filament läuft anschließend wie gewohnt über die PTFE-Schläuche zum Drucker und auch beim Drucken selbst merkt man keinen Unterschied. Das AMS Lite arbeitet weiter genauso wie vorher.

Genau so sollte Zubehör funktionieren. Ich muss keine zusätzliche Software installieren, keinen alternativen Slicer verwenden und dem Drucker auch nicht erklären, dass plötzlich ein anderes Gerät angeschlossen ist. Der A1 sieht weiterhin einfach sein AMS Lite. SUNLU kümmert sich ausschließlich um das Klima rund um die Rollen.

Bis zu 70 Grad für vier Filamentrollen

Im Inneren erzeugt der Heater Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius. Temperatur und Trocknungsdauer lassen sich einstellen, zusätzlich stehen Profile für typische Filamentarten zur Verfügung. Offiziell nennt SUNLU unter anderem PLA, PETG, ABS, ASA, PA und PC. Besonders interessant ist dabei, dass alle vier Rollen gleichzeitig in der beheizten Kammer liegen.

Wer bislang einen klassischen Filamenttrockner für eine oder zwei Rollen verwendet, kennt das Problem: Erst trocknen, dann Rolle ins AMS Lite setzen und anschließend hoffen, dass das Material dort nicht wieder ordentlich Feuchtigkeit einsammelt. Mit dem SUNLU-System fällt dieser Zwischenschritt weg. Das Filament bleibt einfach dort, wo es später auch verwendet wird.

Trocknen während des Druckens ist der eigentliche Clou

Für mich ist genau das die wichtigste Funktion des gesamten Systems. Der Heater kann während eines laufenden Drucks weiterarbeiten. Das Filament kommt damit direkt aus der beheizten beziehungsweise kontrollierten Umgebung und läuft anschließend zum Drucker. Besonders bei langen Druckjobs ist das sinnvoll. Ein mehrstündiger Druck mit PETG oder einem anderen feuchtigkeitsempfindlicheren Material bedeutet nicht mehr, dass die Rolle währenddessen stundenlang offen im Raum hängt.

Man kann sie gleichzeitig trocknen beziehungsweise trocken halten. Damit wird aus einem Filamenttrockner letztendlich eher eine aktive Materialstation. Und das passt perfekt zum Konzept des AMS Lite.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit immer im Blick

Auf der Vorderseite befindet sich das Bedienfeld. Dort werden unter anderem aktuelle Temperatur, eingestellte Zieltemperatur sowie die relative Luftfeuchtigkeit angezeigt. Bei den Abkürzungen muss man anfangs eventuell einmal kurz überlegen: PV steht für den aktuell gemessenen Temperaturwert, SV bezeichnet die eingestellte Solltemperatur und RH steht für die relative Luftfeuchtigkeit.

Danach ist die Bedienung ziemlich unkompliziert. Temperatur einstellen, Laufzeit wählen und starten. Mehr muss man im Alltag im Grunde nicht tun.

Besonders bei PETG merkt man den Nutzen

PLA verzeiht einem bei der Lagerung relativ viel. Das führt leider dazu, dass viele Nutzer das Thema Filamentfeuchtigkeit irgendwann komplett ignorieren. Spätestens bei PETG fällt dann auf, dass das vielleicht keine besonders gute Idee war. Feuchtes Filament kann sich unter anderem durch stärkere Fadenbildung, eine unsaubere Oberfläche, kleine Bläschen oder hörbares Knacken beim Extrudieren bemerkbar machen. Noch deutlicher wird das Problem bei Nylon beziehungsweise PA.

Genau hier ergibt der Heater wesentlich mehr Sinn als bei jemandem, der ausschließlich PLA druckt und seine Rollen innerhalb weniger Tage verbraucht. Wer regelmäßig unterschiedliche Materialien im AMS Lite hängen hat, bekommt dagegen einen echten Mehrwert.

Das Ding braucht allerdings Platz

Ganz ohne Nachteile geht es natürlich nicht. Der SUNLU AMS Lite Heater ist groß. Das lässt sich konstruktionsbedingt kaum vermeiden, schließlich müssen vier komplette 1-kg-Filamentrollen samt AMS-Mechanik und Luftführung hineinpassen. Besonders deutlich merkt man das beim Wechsel der Rollen. Die beiden seitlichen Türen öffnen nach unten. Dadurch lässt sich zwar sehr bequem auf die Rollen zugreifen, gleichzeitig benötigt das System seitlich beziehungsweise davor entsprechend viel Platz.

Wer seinen A1 samt AMS Lite ohnehin schon auf die letzte freie Ecke eines Schreibtisches gequetscht hat, sollte vor dem Kauf deshalb noch einmal nachmessen. Mit geöffneten Türen wird der Platzbedarf erheblich größer.

Die PTFE-Schläuche bestimmen teilweise den Standort

Ein weiterer kleiner Punkt betrifft die Positionierung. Das System kann nicht beliebig weit vom Drucker entfernt stehen, weil die PTFE-Schläuche irgendwann schlicht zu kurz werden. Je nachdem, wie Drucker und AMS Lite bisher aufgestellt waren, muss man das Setup deshalb etwas umstellen. Gerade um beide Türen vollständig öffnen zu können, kann das relevant werden.

Leise ist anders

Einen weiteren Punkt sollte man nicht verschweigen: Der SUNLU AMS Lite Heater besitzt Lüfter. Und die hört man.

Steht der Drucker im Keller oder in einer Werkstatt, dürfte das ziemlich egal sein. Direkt neben dem Schreibtisch sieht das anders aus. Mich würde das bei einem Filamenttrockner nicht vom Kauf abhalten, aber SUNLU könnte bei einer zweiten Generation ruhig etwas leisere Lüfter verbauen.

Kein Ersatz für das AMS Lite

Das sollte ebenfalls deutlich gesagt werden: Der SUNLU AMS Lite Heater enthält kein AMS Lite. Er ist eine Erweiterung für ein bereits vorhandenes System. Wer bislang noch kein AMS Lite besitzt, benötigt also beides.

Das Produkt richtet sich damit ganz klar an Nutzer, die das Materialsystem bereits besitzen und dessen größte Schwäche beseitigen möchten.

Ist das besser als ein normaler Filamenttrockner?

Das kommt darauf an. Wer lediglich gelegentlich eine einzelne feuchte PETG-Rolle trocknen möchte, braucht den SUNLU Heater nicht unbedingt. Ein klassischer Filamenttrockner ist dafür günstiger und meist erheblich kompakter. Der SUNLU AMS Lite Heater spielt seine Stärke aus, wenn das AMS Lite tatsächlich dauerhaft benutzt wird.

Dann muss man die Rollen nicht mehr ständig zwischen Trockner und AMS hin- und herwechseln. Das Material bleibt einfach im System. Trocknen, lagern und drucken finden damit praktisch am selben Ort statt. Genau das macht den Alltag angenehmer.

Für wen lohnt sich der SUNLU AMS Lite Heater?

Für reine PLA-Nutzer würde ich ihn nicht automatisch als Pflichtkauf bezeichnen. Wer eine Rolle einspannt, sie innerhalb kurzer Zeit verdruckt und ohnehin keine Probleme mit feuchtem Filament hat, wird auch ohne Heater glücklich. Deutlich interessanter wird das Zubehör für Nutzer, die häufig mit PETG drucken, PA/Nylon, PC oder andere hygroskopische Filamente verwenden, mehrere Rollen dauerhaft im AMS Lite lassen, lange Druckjobs durchführen oder regelmäßig mehrfarbig drucken. Für diese Nutzer beseitigt SUNLU tatsächlich eine der größten Schwächen des AMS Lite.

Was mir gefällt

Der größte Pluspunkt ist für mich die Integration. SUNLU versucht nicht, das AMS Lite neu zu erfinden. Die vorhandene Technik wird einfach sinnvoll ergänzt. Vier Rollen bleiben nutzbar, Multicolor funktioniert weiterhin, der A1 muss nicht umkonfiguriert werden und trotzdem hängen die Filamente nicht mehr ungeschützt in der Raumluft.

Dazu kommt die aktive Trocknung bis 70 Grad Celsius. Vor allem die Möglichkeit, während des Druckens zu trocknen, macht im Alltag einen echten Unterschied.

Was mir weniger gefällt

Perfekt ist die Lösung trotzdem nicht. Der Aufbau ist nicht wirklich Plug-and-Play und verlangt etwas Geduld. Das Gehäuse braucht ordentlich Platz, zum Öffnen der Türen wird noch einmal zusätzlicher Raum benötigt und die Lüfter könnten leiser sein. Dazu kommt natürlich, dass hier ein weiteres Zubehörteil für ein bereits vorhandenes Zubehörteil gekauft wird.

Fazit: Genau diese Erweiterung ergibt beim AMS Lite Sinn

Der SUNLU AMS Lite Heater löst ein reales Problem. Das ist bei Zubehör leider längst keine Selbstverständlichkeit. Das AMS Lite ist bequem, schnell und für Mehrfarbdruck hervorragend geeignet. Dass vier Filamentrollen dabei dauerhaft völlig offen herumhängen, war allerdings schon immer ein ziemlich offensichtlicher Kompromiss. SUNLU beseitigt diesen Kompromiss weitgehend.

Nach dem Umbau besitzt man weiterhin sein gewohntes AMS Lite, jetzt allerdings mit geschlossenem Gehäuse, Temperaturkontrolle, Feuchtigkeitsüberwachung und aktiver Trocknung für alle vier Rollen. Die Installation verlangt etwas Geduld und ist nicht mit zwei Handgriffen erledigt. 20 bis 30 Minuten sollte man sich dafür nehmen. Danach ist das Thema aber durch.

Im Alltag funktioniert das Ganze erfreulich unspektakulär. Filament einlegen, gewünschtes Profil beziehungsweise Temperatur einstellen und drucken. Gerade das gefällt mir. Der Heater versucht nicht, aus dem AMS Lite etwas völlig anderes zu machen. Er ergänzt lediglich genau die Funktion, die dort bisher gefehlt hat.

Wer ausschließlich PLA druckt, braucht ihn wahrscheinlich nicht. Wer dagegen regelmäßig PETG oder stärker hygroskopische Materialien verwendet und sein AMS Lite wirklich nutzt, bekommt mit dem SUNLU AMS Lite Heater eine der sinnvollsten Erweiterungen, die es derzeit für das System gibt.

Preis und Verfügbarkeit: Aktuell nur mit Geduld

Wer nach dem Review direkt zuschlagen möchte, muss beim SUNLU AMS Lite Heater aktuell noch etwas Geduld mitbringen. Im deutschen SUNLU-Shop wird das System derzeit als Vorbestellung geführt. Der reguläre Preis liegt bei rund 120 US-Dollar, wobei SUNLU den Heater zum Start zeitweise deutlich günstiger angeboten hat. SUNLU nennt für Bestellungen aus dem Zeitraum 1. bis 20. August 2026 einen Versand ab dem 10. Oktober 2026. Frühere Vorbestellungen vom 20. bis 31. Juli sollen bereits ab dem 20. September verschickt werden. Wer jetzt bestellt, sollte also nicht mit einer kurzfristigen Lieferung rechnen.

Dsiclaimer: Für das Review wurde mir der SUNLU AMS Lite Heater direkt von Sunlu zur Verfügung gestellt.

Unsere Bewertung

SUNLU AMS Lite Heater

89%

Der SUNLU AMS Lite Heater macht das AMS Lite nicht spektakulärer, sondern schlicht vollständiger. Und manchmal ist genau das die beste Art von Zubehör.

Trocknungsleistung94%
Bedienung89%
Montage80%
Integration ins AMS Lite94%
Preis-Leistung89%
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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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