3D-DruckDruck-Praxis

Hätte ich das früher gewusst: 3D-Druck kostet nicht nur Filament

3D-Druck wirkt am Anfang herrlich einfach. Drucker kaufen, Rolle Filament dazu, Datei laden, Start drücken, fertig. Ein paar Stunden später liegt das Ersatzteil, die Dekofigur oder der Halter für irgendwas auf dem Druckbett. So zumindest die Versprechen. Die Realität ist nicht schlimmer, aber sie ist etwas ehrlicher: Beim 3D-Druck zahlt man nicht nur für Plastik auf der Rolle.

Und genau das ist der Punkt, den man vorher wissen sollte. Nicht, weil 3D-Druck plötzlich unbezahlbar wäre. Ist er nicht. Gerade FDM-Drucker sind heute so günstig und zugänglich wie nie. Aber wer nur den Preis des Druckers und eine Rolle PLA einplant, wundert sich später über den ganzen Kleinkram, der sich langsam, leise und ziemlich frech dazurechnet.

Der Drucker ist nur der Einstieg

Der erste Kostenblock ist natürlich der Drucker selbst. Einsteigergeräte bekommt man inzwischen schon für vergleichsweise kleines Geld. Je nach Anspruch, Bauraum, Geschwindigkeit und Komfort geht es aber schnell nach oben. Desktop-FDM-Drucker bewegen sich grob vom niedrigen dreistelligen Bereich bis deutlich über 1.000 Euro. Professionelle Systeme oder andere Verfahren wie Resin, SLS oder industrielle Anlagen spielen sowieso in einer anderen Liga. Das eigentliche Problem ist aber nicht der Kaufpreis. Das Problem ist die eigene Erwartung. Man kauft keinen Toaster. Man kauft ein Werkzeug. Und Werkzeuge brauchen Material, Pflege, Ersatzteile, Platz, Zeit und irgendwann Zubehör, von dem man beim Kauf noch dachte: „Ach, brauch ich bestimmt nicht.“ Natürlich braucht man es. Irgendwann. Natürlich nachts um 23:41 Uhr, wenn der Druck fast fertig ist.

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Filament ist günstig, aber nicht immer billig

PLA ist der Klassiker für den Einstieg. Eine Kilogrammrolle liegt häufig irgendwo um 20 bis 30 Euro. Je nach Hersteller, Farbe, Zusatzstoffen und Material geht es aber spürbar höher. PETG, ASA, TPU, Carbon-verstärkte Filamente oder Spezialmaterialien kosten mehr. Und dann kommt noch der Punkt, den man als Anfänger gerne übersieht: Man kauft nicht eine Rolle. Man kauft irgendwann Farben. Schwarz. Weiß. Grau. Dann doch ein schöneres Grau. Matt. Seidenmatt. Transparent. Irgendwas mit Glitzer, weil man kurz schwach war. Und plötzlich steht da kein Hobby mehr, sondern eine kleine Kunststoffhandlung im Regal.

Rein rechnerisch bleibt der einzelne Druck oft günstig. Bei PLA für 25 Euro pro Kilogramm kostet ein 100-Gramm-Druck grob 2,50 Euro Material. Das klingt entspannt. Ist es auch. Nur gilt das eben für den erfolgreichen Druck. Nicht für den ersten Versuch, den zweiten Versuch, den Support-Abfall und das Teil, das man nach dem Drucken doch noch mal mit 0,2 Millimeter mehr Spiel neu druckt.

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Fehldrucke gehören zum Preis dazu

Fehldrucke sind keine Ausnahme. Sie gehören dazu. Mal löst sich das Teil vom Druckbett. Mal stimmt die Temperatur nicht. Mal war das Filament feucht. Mal hat man beim Slicen irgendwas übersehen. Und manchmal schaut man dem Drucker zehn Minuten zu, alles sieht gut aus, geht Kaffee holen und kommt zurück zu moderner Spaghetti-Kunst.

Das ist nicht dramatisch, aber es kostet Material und Zeit. Viele Kalkulationen vergessen genau diesen Puffer. Sinnvoll ist es, bei eigenen Projekten immer etwas Verschnitt und Fehlversuche einzuplanen. Gerade bei größeren Teilen oder neuen Materialien. Einige Kostenrechner und Dienstleister rechnen deshalb nicht nur Material, sondern auch Strom, Maschinenzeit, Wartung und Ausfallrisiko ein. Prusa bietet dafür sogar einen eigenen Kalkulator an, der unter anderem G-Code importieren kann.

Wer privat druckt, muss das nicht alles buchhalterisch erfassen. Aber im Kopf sollte man es haben. Ein Druck kostet nicht nur das, was der Slicer als Filamentverbrauch ausspuckt. Ich z.B. rechne für Drucke „grob“ zwischen 2-3 Euro pro Druckstunde, je nach Material. Das beinhaltet u.a. auch meine Stromkosten, Material und einen kleinen Puffer für Wartung. Man kann auch einen Art Mindestpreis verlangen für Kram der in 20min durch ist.

Strom ist da, aber selten der große Bösewicht

Beim Strom wird gerne übertrieben. Ja, ein 3D-Drucker braucht Energie. Das Heizbett, die Düse, die Motoren, die Lüfter. Gerade lange Drucke laufen viele Stunden. Trotzdem ist Strom bei normalen FDM-Druckern meistens nicht der dickste Kostenblock. Viele Desktop-FDM-Drucker liegen grob im Bereich von 50 bis 150 Watt im laufenden Betrieb, abhängig von Gerät, Temperatur, Bauraum und Material. Bei normalen Strompreisen landet man für viele Drucke eher im Cent- bis niedrigen Eurobereich. Ärgerlicher ist eher, dass ein 18-Stunden-Druck eben 18 Stunden läuft. Der Drucker steht da, macht Geräusche, blockiert Platz und man hofft, dass nicht kurz vor Ende irgendwas schiefgeht. Strom sollte man also einplanen. Aber wer denkt, die Steckdose sei das eigentliche Kostenmonster, schaut an der falschen Stelle. Der größere Kostenfresser ist meistens Ausschuss, Zubehör und die eigene Zeit.

Verschleiß ist kein Fehler, sondern normal

Düsen nutzen sich ab. PTFE-Schläuche altern. Druckbetten verlieren irgendwann Haftung. Riemen müssen nachgespannt werden. Lüfter können nerven. Lager, Hotends, Extruder-Zahnräder, Silikonsocken, Kleber, Isopropanol, Spachtel, Ersatzdüsen, Reinigungsnadeln — willkommen im Kleinteile-Karussell.

Das ist kein Zeichen dafür, dass der Drucker schlecht ist. 3D-Druck ist ein mechanischer Prozess mit Hitze, Bewegung und Reibung. Da verschleißt etwas. Je mehr gedruckt wird, desto eher. Je abrasiver das Material, desto schneller. Carbon-Filament mit einer billigen Messingdüse? Kann man machen. Ist halt auch eine kleine Opfergabe an den Verschleißgott. Für Einsteiger ist das oft der erste kleine Realitätscheck. Der Drucker ist nicht nach dem Kauf „fertig“. Er bleibt ein Gerät, das gepflegt und gewartet werden will.

Dateien kosten manchmal auch Geld

Viele starten mit kostenlosen Modellen von Plattformen wie Printables, MakerWorld, Thingiverse oder Cults. Das reicht für den Anfang locker. Aber irgendwann will man etwas Bestimmtes. Einen exakt passenden Halter. Ein Ersatzteil. Eine Figur. Ein Modell, das nicht aussieht, als hätte es jemand 2014 in einer Mittagspause zusammengeklickt.

Dann wird es interessant. Manche Modelle kosten nur ein paar Euro. Andere deutlich mehr. Und wenn man etwas wirklich Eigenes braucht, muss man es selbst modellieren oder jemanden bezahlen. Modelle können je nach Komplexität Geld kosten, Custom-Designs durch Designer sogar deutlich mehr. Das gilt auch, wenn ihr die Modelle verkaufen wollt, meist zahlt ihr eine kleine Abgabe an den Ersteller und dürft das Modell dann auch gewerblich nutzen. Das vergessen viele.

Zubehör wächst von allein

Am Anfang reicht vielleicht der Drucker, eine Rolle Filament und der beigelegte Seitenschneider. Kurz danach sieht die Sache anders aus. Filamenttrockner. Luftdichte Boxen. Ersatzdüsen. Klebestift oder Haftmittel. PEI-Platten. Entgrater. Schraubenset. Messschieber. Mehr Filament. Noch mehr Filament. Eine Kamera zur Überwachung. Vielleicht ein Gehäuse, wenn ASA oder ABS interessant werden. Bei Resin-Druckern kommen Waschstation, Aushärtung, Handschuhe, Masken, Alkohol und Entsorgung noch viel deutlicher dazu.

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Die eigene Zeit ist der unsichtbare Preis

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. 3D-Druck kostet Zeit. Nicht nur Druckzeit. Deine Zeit.

Datei suchen. Modell prüfen. Slicen. Stützen setzen. Druckbett reinigen. Filament wechseln. Druck überwachen. Teil ablösen. Nachbearbeiten. Fehler suchen. Nochmal drucken. Dann merken, dass das Teil falsch herum stabiler gewesen wäre. Wieder slicen. Wieder warten. Man lernt, bastelt, verbessert. Aber wer glaubt, 3D-Druck sei immer billiger als Kaufen, wird schnell ernüchtert. Für einfache Massenware lohnt es sich oft nicht. Für Ersatzteile, Spezialhalterungen, Prototypen, Bastelprojekte, Tabletop-Kram oder Dinge, die es schlicht nicht passend zu kaufen gibt, sieht es anders aus. Genau da wird 3D-Druck stark.

Denkt da vorher dran

3D-Druck ist kein Fass ohne Boden. Man muss auch keine zweite Hypothek aufnehmen, nur weil man einen Benchy drucken will. Aber der echte Einstiegspreis ist höher als nur „Drucker plus Filament“. Realistischer ist: Drucker, zwei bis drei Rollen Material, etwas Werkzeug, Ersatzdüsen, Reinigungszeug, vielleicht eine Trockenbox und ein kleiner Puffer für Fehldrucke.

Wer das vorher einplant, hat deutlich mehr Spaß. Dann fühlt sich jeder Zusatzkauf nicht wie ein unerwarteter Tritt gegen den Geldbeutel an, sondern wie Teil des Hobbys. Und genau das ist 3D-Druck am Ende eben auch: ein Hobby mit Werkzeugcharakter. Man bekommt unfassbar viel Freiheit, aber nicht völlig kostenlos. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich vermutlich trotzdem angefangen. Nur mit etwas mehr Platz im Regal. Und einem zweiten Mülleimer für Filament-Spaghetti.

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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