
Prusa macht Multicolor-Druck deutlich bunter
Mit Prusa ColorMix bringt das Unternehmen ein neues Open-Source-Modell in PrusaSlicer und EasyPrint, das Multicolor-Druck nicht mehr stumpf auf die geladenen Filamentfarben beschränkt. Stattdessen sollen aus wenigen Spulen deutlich mehr Farbtöne entstehen. Oder einfacher gesagt: Der Drucker bekommt eine Art Farbpalette. Endlich weniger Filament-Tetris, mehr Anmalen.
Dutzende Farben aus wenigen Filamenten
Die Grundidee ist nicht komplett neu, aber Prusa zieht sie nun direkt in den eigenen Workflow. Statt Farben wie klassische Farbeimer zu behandeln, nutzt ColorMix den Effekt, dass sehr dünne, abwechselnde Filamentschichten aus normalem Betrachtungsabstand wie ein gemischter Farbton wirken. Das Prinzip erinnert an CMYK-Druck, nur eben nicht mit Tintentröpfchen auf Papier, sondern mit FDM-Schichten im 3D-Druck.
Prusa spricht davon, dass sich damit Dutzende Farbtöne auf Multi-Material-Druckern erzeugen lassen. Besonders spannend ist dabei die Kombination aus Cyan, Magenta, Yellow, Black und White, also CMYKW. Auf einem Prusa XL mit fünf Werkzeugköpfen konnte Prusa damit nach eigenen Angaben rund 40 sinnvolle Farbkombinationen identifizieren.
ColorMix kommt in PrusaSlicer und EasyPrint
Der eigentliche Kniff liegt nicht nur im Farbmodell, sondern in der Bedienung. Prusa will den Vorgang so einfach machen, dass Nutzer Filamente laden, eine Palette sehen und Modelle direkt bemalen können. Das klingt banal, ist aber genau der Punkt, an dem Multicolor-Druck bisher oft nervig wurde. Viel Konfiguration, viel Extruder-Gefummel, viel „warum sieht das jetzt nicht aus wie in der Vorschau?“. ColorMix ist in EasyPrint und PrusaSlicer 2.9.6 nutzbar. Prusa arbeitet parallel weiter an PrusaSlicer 3.0, hat die Funktion aber bereits in die aktuelle 2.9.6-Schiene gebracht. Laut Prusa kann ColorMix grundsätzlich für jeden Drucker mit Multi-Filament-Fähigkeiten eingesetzt werden. Dazu zählen Toolchanger wie der Prusa XL oder CORE One INDX, aber auch Systeme mit Filamentwechsel über eine einzelne Düse.
Open Source unter MIT-Lizenz
Prusa veröffentlicht das Modell unter der MIT-Lizenz. Entwickler können es also prüfen, nutzen, anpassen und in eigene Projekte integrieren. Der Code liegt als Repository bereit, außerdem gibt es eine TypeScript-Variante, eine C++17-Single-Header-Portierung sowie Browser-Tools für Tests und Messwerte. Das Modell ist zudem an die OpenPrintTag Material Database angebunden, aus der es Materialinformationen beziehen kann.
Wichtig: Prusa behauptet nicht, das Problem perfekt gelöst zu haben. Das Unternehmen weist selbst darauf hin, dass das Modell bisher vor allem mit Prusament PLA auf einem Prusa XL vermessen wurde. Für andere Materialien wie PETG, ABS oder Spezialfilamente können Abweichungen auftreten. Genau deshalb bittet Prusa die Community um Messdaten, besonders von Nutzern mit Colorimeter und Testkarten.
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Prusament CMYKW ist geplant
Passend zur Funktion bereitet Prusa ein eigenes Prusament CMYKW-Set vor. Die finalen Farbtöne und Transparenzen werden laut Unternehmen aktuell noch abgestimmt. Für erste Experimente nennt Prusa bereits verfügbare Prusament-Farben wie Azure Blue, Ms. Pink und Pineapple Yellow. Nutzer sollen aber nicht auf das kommende Set warten müssen, denn ColorMix kann grundsätzlich auch mit vorhandenen Filamenten arbeiten.
Multicolor-Druck war bisher oft ein hübscher Zeitfresser. Technisch machbar, ja. Praktisch aber gerne eine kleine Orgie aus Profilen, Purge-Mengen, Filamentwechseln und Farbkompromissen. ColorMix löst nicht alle Probleme. Filamentwechsel kosten weiter Zeit, und bei MMU- oder AMS-Systemen entsteht weiterhin Materialabfall durch Purging. Aber die Richtung stimmt: Farbe wird weniger Maschinenverwaltung und mehr Gestaltung.
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