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Filmkritik zu „Scream“ – Gewinnorientiertes Requel

115 minütige meta-zynische Publikumsverachtung

In Woodsboro wird einmal mehr wild niedergemetztelt – der Ghostface-Killer ist zurück! Keinem ist zu trauen, jeder gleich verdächtig. „Scream“ verstand sich jeher als cleverer Horrorfilm samt satirischen Spitzen. Doch mit dauerhafter Metaebene im Gepäck verkommt das selbsternannte Requel des Kult-Slasher zur gewiss blutiger aber auch zuschauerverachtender Publikumbeschimpfung.

Fall nicht hin! Oder geh alleine in den Keller!

Scream ist einer dieser Filme, nach denen niemals fragte. Dazu zählen unter anderem „Matrix Resurrections“ und „Killer’s Bodyquard 2“. Damit ist natürlich nicht der kultige Teenie-Slasher von 1996 gemeint. Kaum ein Film startete dank furioser Regie von Grusel-Altmeister Wes Craven eine monströse Welle aus Whodunit-Werken im Kreise von US-Highschools wie „Scream – Schrei“. Von Anfang zählte Selbstironie. Als hätte Freddy Krueger persönlich Drehbuchseiten verfasst, stellte man klassische Horrorfilm-Regeln auf deren eigene Figuren sie mehrfach brachen, um schlichtweg die eigene Unfähigkeit zum Überleben darzustellen. Die parodistische Antwort folgte damals mit dem nicht minder unterhaltsamen „Scary Movie“ – alle Logikfehler des Originals wurden munter in den Mixer geworfen, derber Humor als Zutat vermengt und herauskam ein amüsanter Smoothie. Vier weitere Original-Teile, unter Regie von Craven, folgten und führten die Geschichte rund um den terrorisierenden Ghostface-Killer weiter. Aber nicht ohne eine nächste filmische Ebene einzuführen, wie die „Stab“-Reihe. Nachdem nämlich Reporterin Gale Weathers nach Teil 1 ein Buch über die Ereignisse des Erstlings schrieb, wurde diese Bücher verfilmt und so entstand in den Filmteilen selbst eine doppelbödige Handlung.

Diese frisch angelaufene Fortsetzung versteht sich als Mix aus Reboot und Sequel, was sich mit einer ständigen Metaebene niederschlägt, die wie im letzten „Matrix“-Teil sehr anstrengend wird. Einerseits verweist direkt zu Beginn die Teenagerin Tara Carpenter (Jenna Ortega), alleine im Haus, im noch lockeren Telefonat mit einem Unbekannten, dass u.a. „Der Babadook“ und „Hereditary“ ihre Lieblingshorrofilme sind. Selbstverständlich kommt es zur blutigen Konfrontation, aber nicht ohne süffisante Kameraschwenks zur Kühlschranktür daraufhin in den dunklen Gang. Nur weil die Macher ihrem Publikum pseudointellektuell verklickern wollen – „Du erwartest sicher einen Jumpscare. Haha! Pech gehabt!“ – um kurz darauf trotzdem auf solche erwartbaren Schreckmomente zu setzen. Im Kern erzählt Teil 5 von neuen Morden in der US-Kleinstadt Woodsboro. Nachdem Tara schwer verletzt überlebt, kommt ihre ältere Schwester Sam (Melissa Barrera) zurück, weil Ghostface anscheinend persönlich handelt. Zum Cast stoßen im späteren Verlauf natürlich die Altstars wie David Arquette und Neve Campbell hinzu. Während das „Halloween“-Reboot, welches natürlich auch beiläufig erwähnt wird, sich ernsthaft um neue Akzente bemühte regiert in „Scream“ das 0815 bekannter Slasher-Werke. Aber mit viel Süffisanz, weil vieles klüger inszeniert wurde als man es zunächst meinen könnte.

Raucht einem hier nicht schon der Kopf sind die Schauwerte nicht zu verachten. Woodsboro zeigt sich auch als in der Gegenwart als verträumte Kleinstadt. Umso härter wiegen die durchaus hart inszenierten Kills, deren Gewaltgrad an der Freigabe von FSK 16 zweifeln lassen. Obwohl – „Suicide Squad“ brachte diese Diskussion im letzten Jahr auf eine andere Ebene. Drehbuchautor James Vanderbilt verlässt sich zu sehr auf den Myhtos. Statt frische Akzente, baut man auf vergangene Elemente. Chancen wurden klar vertan. Nicht schlecht sind hingegen die oft gestreuten Insider-Gags á la „Elm Street“ oder dass eine der Figuren „Wes“ heißt. Das Hauptmotiv der, okay überraschend aber sich auch viel zu leichtgemachten, Täter sind hinsichtlich einer Erwartungshaltung viel zu lasch. Schlussendlich versteht sich „Scream“ als missglücktes Update einer Quintessenz resultierenden Horrorfilm-Urväter modernerer Gangart.

Scream. USA 2022. Regie: Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett. Mit Melissa Barrera, David Arquette, Jenna Ortega:. 115 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Scream“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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